In den folgenden Texten werde ich versuchen, das Auftreten von Metaphern zu analysieren. Aufgrund der Fülle des möglichen Materials habe ich die Textproben willkürlich ausgewählt. Unterschiedlich sind die Textsorten wie Fachtext oder journalistischer Text. In Bezug auf die Metaphern wird ihr generelles Auftreten geprüft, sowie bei Vorhandensein Art und Häufigkeit ihres Auftretens.
Programmieren auf den Punkt gebracht. Wollen Sie ohne viel Ballast Programmieren lernen? Ausgehend von etwas Windows-Basiswissen werden Ihnen die Grundlagen der Programmierung vermittelt. Die ersten Sätze des Klappentextes. Hier muss dem Leser die Angst vorm unbekannten und scheinbar sehr schwierigen Programmieren genommen werden. Der Ausgangspunkt ist: Programmieren ist schwer zu lernen und schwer auch im Sinne der schweren Last. Das Konzept dazu lautet nun: Befreiung von der schweren Last. Ein weiteres Konzept zielt auf die Vielfalt und auf die Komplexität des Programmierens. Und um letztendlich das Vorurteil der Langatmigkeit auszuräumen, wird das Konzept des Auf-den-Punkt- Bringens deutlich hervorgehoben. Es wird bewusst auf diese beiden weit verbreiteten Annahmen gesetzt und die werden mit Hilfe der Metaphern ausgeräumt. Bei allen anderen Menschen ist die Metapher wirkungslos. Streng genommen erklärt diese Metapher auch keinen technischen (Computer-) Sachverhalt sondern eher einen allgemeinen Sachverhalt. Die Metaphern wären auch geeignet, dem geneigten Leser die Angst vor der Quantenelektrodynamik nehmen. Kapitel 1 erläutert, wie ein Computer grundsätzlich Programme ausführt und Daten speichert. In diesem Kapitel erfahren Sie, welche Aufgaben das Betriebssystem übernimmt und wie dieses Daten in die Zustände 0 und 1 transformiert. Außerdem lesen Sie in diesem Kapitel wie ein Programm grundsätzlich arbeitet und wie ein in einer höheren Programmiersprache geschriebenes Programm für den Computer so übersetzt wird, dass dieser das Programm versteht.(Vorwort, S.13) Auch hier finden sich Metaphern, genauer ontologische Metaphern. Der Computer wird ein Wesen, welches etwas ausführen und auch etwas verstehen kann. Das Betriebssystem als solches wird etabliert als Maschine, welche Daten transformiert. Und Programme werden zu Entitäten, die arbeiten. Bei der folgenden Beschreibung der einzelnen Kapitel finden sich weiterhin die Einzelbezeichnungen Softwarearchitektur, objektorientierte Programmierung und (weniger computerspezifisch) Grundprinzipien. Ein Computer verarbeitet Daten. Noch genauer kann man sagen: Ein Computer verarbeitet Daten zu Informationen. Der Unterschied zwischen Daten und Informationen mag Ihnen noch nicht klar sein, ist aber ganz einfach: Daten sind rohe Fakten ohne Informationsgehalt. Daten werden erst zu Informationen, wenn diese verarbeitet werden. (S .24/25) Mit dieser Erklärung wird der Grundstein zum Konzept: „Der Computer ist eine verarbeitende Maschine” gelegt. Ein verarbeitende Maschine im Sinne von: Ich nehme etwas und die Maschine stellt daraus etwas anderes her. Um diesen Sachverhalt speziell für den Computer zu manifestieren, wurde das Akronym EVA gebildet. Das EVA-Prinzip bedeutet Eingabe – Verarbeitung – Ausgabe. Es wird jedoch auch noch eine weitere Metapher eingeführt, nämlich die vom selbstständig denkenden, genauer interpretierenden Wesen. Betrachten Sie z.B. die Daten 47053. Diese besitzen für Sie keinen Informationsgehalt, oder? Erst wenn ich Ihnen eine Verarbeitungsvorschrift dafür gebe, können Sie die Daten so interpretieren, dass eine Information dabei herauskommt. Ich kann Ihnen z.B. sagen, dass Sie Daten als Postleitzahl interpretieren sollen oder als das durchschnittliche Jahresgehalt eines Softwareentwicklers im Jahr 1975. (S. 24) Der Vorgang des Interpretierens wird hier als eine Abarbeitung von Vorschriften aufgefasst, was uns in Konflikt mit der geläufigen Auffassung von Interpretation bringt. Ein Schauspieler kann einen Text interpretieren und Rechtsanwälte Gesetzestexte. Es handelt sich dabei um eine Auslegung, die aufgrund bestimmter Anzeichen gemacht wird. Beispielsweise wird im Text des Bühnenstückes ein Wort mehrfach wiederholt. Eine mögliche Interpretation wäre, es besonders laut zu sprechen, da ja der Autor durch die Wiederholung besonders stark darauf hinweist. Die Interpretation des Computers ist jedoch eine völlig andere, nämlich ein „Abarbeiten” von bestimmten Anweisungen. Eine mögliche Erklärung der unklaren Bedeutung wäre die nachlässige Übersetzung der englischen Form interpret aus der sich das Fachwort interpretieren ableitet. Es bedeutet etwas erklären oder die Bedeutung von etwas verstehen47 Lt. Sally Wehmeier ed.; Oxford Wordpower Dictionary, Oxford University Press; Oxford;1993.. Der interpreter ist jemand, der etwas unverzüglich von einer Sprache in eine andere übersetzen kann. Das würde bei einem BASIC48 BASIC ist eine einfache Programmiersprache, das Akronym für beginners all purpose symbolic instruction code.-Interpreter zutreffen, da er die BASIC-Anweisungen in Maschinencode übersetzt. Abbildung 1.249 Die gibt’s natürlich nur im Buch, spielt hier keine Rolle. zeigt die Zusammenarbeit zwischen Anwendungen, dem Betriebssystem, dem BIOS und der Computer-Hardware. (S. 27) Die Fortführung der Maschinen- Metapher. Die einzelnen Teile der Maschine arbeiten zusammen. Die Bezeichnung Betriebssystem fügt sich ebenfalls in die Metapher, denn Maschinen werden in Betrieb gesetzt oder sind außer Betrieb. Ein sehr wichtiger Bestandteil des Computers ist der Arbeitsspeicher. Auf den ersten Blick auch eine passende Metaphern-Fortführung (die Maschine arbeitet). Aber halt: Der Arbeitsspeicher wird aber auch noch für des Zwischenspeichern von Werten bei Berechnungen verwendet. Viele Verarbeitungsschritte sind so kompliziert, dass sich das Programm die Zwischenschritte merken muss, die erst in späteren Anweisungen wiederverwendet werden. (S. 31) Es gilt festzustellen, dass nicht mehr der Computer der Handelnde (Ausführende) ist, sondern das Programm. Es wird eine neue Entität eingeführt und sie hat keine Maschinen-Eigenschaften. Sie hat die Eigenschaften eines belebten Organismus, sie kann kann sich nämlich etwas merken. Dennoch haftet der neuen Entität etwas passives an. Wenn Sie mit einem Programm arbeiten wollen, muss dieses Programm irgendwo gespeichert sein, damit Sie es über das Betriebssystem laden und ausführen können. (S. 31) Hier werden zentrale Konzepte der Computertechnik eingeführt. Speichern und Laden sind zwei der meistgebrauchten Termini. Beide referieren auf das Gleichnis elektronische Daten = bewegliches (Stück-) Gut. Daten sind im wahrsten Sinne des Wortes abzählbar; daher kommen ihnen die gleichen Eigenschaften wie Stückgütern zu. Man kann sie z.B. stapeln und umschichten. Die Erklärung der Speicherverwaltung erfolgt auf diese Weise. Und fast unmerklich hat sich dieser Begriff in die Erklärung eingefügt – der Speicher. Es handelt sich dabei um einen Aufbewahrungsort für verschiedene transportierbare Güter. Wann die neue Bedeutung auf das Wort Speicher übertragen wurde, kann nicht genau ermittelt werden. Wesentliche Konzepte der Computertechnik basieren jedoch darauf. Als Beispiel sei hier die sogenannte Batch-Datei genannt. Es handelt sich dabei um eine (übersetzte) Stapelverarbeitungsdatei. Die Daten werden wie von einem Stapel nacheinander aufgenommen und verarbeitet. Die sogenannte umgekehrte polnische Notation bedient sich ebenfalls der Stapel-Metapher. Die Daten, welche gestapelt wurden, müssen auch in der gleichen (umgekehrten) Reihenfolge wieder abgearbeitet werden (Prinzip des Spiels Türme von Hanoi). Der zweite wichtige Terminus laden versucht konzeptuell einen anderen Weg. Daten werden auf etwas geladen (auf die Diskette, auf die CD-Rom) und selten in (aber in den Speicher) etwas geladen. Vorstellbar wäre die Erklärung, dass man das Datenspeichern mit dem Aufschreiben vergleicht. Dabei werden die Zeichen immer auf einen Träger (Papier, Tontafeln, etc.) geschrieben. Bei der elektronischen Speicherung werden jedoch einzelne Abschnitte einer Trägersubstanz magnetisiert oder entmagnetisiert. Es handelt sich also streng genommen um eine Speicherung in etwas. Es bleibt im Wesentlichen festzustellen, dass das metaphorische Konzept lautet: Daten sind transportierbare Stückgüter. Dies passt auch in die Maschinen- Metapher des ganzen Computers, da Maschinen ja oft auch aus einzelnen Gütern oder Teilen etwas Neues zusammenfügen. Weitere Beispiele für das Bilden von Instanzen sind die Begriffe Betriebssystem und Programm. Das Betriebssystem erkennt und verarbeitet. Es werden Handlungen vollzogen die scheinbar eigenbestimmt sind. Programme verwalten ebenfalls Daten und erledigen Arbeiten. Außerdem werden mit dem Computer neue Verben verknüpft wie z.B. lesen, verarbeiten, ausgeben, verpacken. Es zeigt sich an dieser Stelle des Buches von Jürgen Bayer, dass zu Beginn der Erklärungen bereits eine inkonsistente Verwendung der Metaphern vorliegt. Es wird nicht klar, ob überhaupt und falls ja, wie die einzelnen Entitäten zusammenarbeiten. Der Leser wird im Unklaren darüber gelassen, ob es bspw. Prioritäten gibt, ob „jemand” die Oberhand im System Rechner hat. Desweiteren werden als kleinste Einheit im Rechner die Bits eingeführt. Sie können Zustände annehmen und zwar jeweils genau einen von zwei möglichen. Was wiederum offen läßt, ob sie dies aus freien Stücken tun oder das von einer anderen Entität gesteuert wird. Das Betriebssystem speichert Daten. Die Interpretation der gespeicherten Daten ist allerdings nicht Sache des Betriebssystems, sondern eine Aufgabe des Programms. Das ermöglicht dem Programm lediglich seine Daten in Form von Dateien auf einem Speichermedium zu speichern und wieder einzulesen. (S. 40) Also unabhängig voneinander operierende Entitäten? Wurde vorher nicht erklärt der Computer speichert Daten? Wer speichert denn nun die Daten – Computer, Betriebssystem oder Programm oder alle gemeinsam? Hier stiftet der häufige Gebrauch der Verben eine gewisse Verwirrung. Laut Duden der Informatik ist ein Programm eine Formulierung eines Algorithmus und der dazugehörigen Datenbereiche in einer Programmiersprache. Alles klar? Vereinfacht ausgedrückt ist ein Programm eine Folge von gespeicherten Anweisungen für den Computer. Mit einem Programm sagen Sie einem Computer also, was er zu tun hat. (S. 40) Wir sprechen also schon mit unserem Computer? In einer Zwischenbilanz läßt sich feststellen, dass es einen Metaphern- bzw. Konzeptwechsel gegeben hat. Der Computer ist von einem unbelebten Wesen zu einem belebten aufgestiegen. Er ist scheinbar ein System mit einzelnen Subsystemen (Betriebssystem, Programme), die autark handeln können. Programme im Computer bestehen also aus Anweisungen, die je nach Bedarf mit Schleifen wiederholt ausgeführt und mit Verzweigungen bedingungsabhängig ausgeführt werden. Anweisungen sind Befehle (die zu einer Aktion führen) oder Zuweisungen von Berechnungen
Jürgen Bayer, Programmierung, S.48 Computer sind doof. Sie müssen dem Computer alles, aber auch alles sagen, damit er korrekt arbeitet. Sie können nicht voraussetzen, dass der Computer abstrakt formulierte Anweisungen wie ein Mensch interpretieren kann. Einem Menschen können Sie einfach sagen: * Geh Kaffee kochen*, einem Computer nicht.
an Variablen. (S. 48) Die Metapher des Programms wird hier näher und in Einzelheiten erklärt. Dies ist ein Trend, der sich bei allen Erklärungen beobachten läßt. Eine scheinbar atomare Ebene bilden die Bits der Daten. Diese verbinden sich zu Bytes und so fort. Dateien bestehen aus einzelnen Daten und Programme also aus Anweisungen. Hier wird das erste Mal eine konkrete metaphorische Zuweisung getätigt: Anweisungen sind Befehle. Das Konzept des Befehlens setzt jedoch einen Befehlsgeber und einen Befehlsempfänger voraus.50 Ganz zu schweigen von einer gewissen Disziplin, wenn nicht gar Gehorsam bei der Ausführung des Befehls. An eben jener Disziplin scheint es einigen Programmen zu mangeln. Diese beide Seiten werden aber nicht genannt. Oder man kommt nach einiger Überlegung dazu, dass das Programm beides in einem ist. Die Termini Schleife, Verzweigung und Variable gehören zu einer anderen Erklärungsgruppe, nämlich zu derjenigen der Programmierung. Kapitel 1.6 ist mit der Frage überschrieben: Wie wird ein Programm geschrieben und übersetzt? überschrieben. Es wird also davon ausgegangen, dass der Computer den Anwender nicht ohne weiteres versteht. Der Computer versteht nur die beiden Zustände 0 und 1. Programme, die der Computer direkt verstehen soll, müssen demnach aus diesen beiden Zuständen zusammengesetzt sein. Der Computer spricht nur eine bestimmte Sprache mit Wörtern (Befehlen), die nur aus 0 und 1 zusammengesetzt sind. Theoretisch haben Sie die Möglichkeit, Programme direkt in dieser Computersprache, der Maschinenspache, zu schreiben. (S. 53) Der Computer ist also eine Entität, die uns nicht versteht und eine eigene Sprache hat. Es wird eine direkte Metapher gebildet: Wörter sind Befehle. Nun haben wir uns wieder ein Stück entfernt von der Maschinen-Metapher oder kennen Sie Maschinen mit denen Sie sprechen können? Im weiteren Verlauf der Erklärung wird ein kurzer Abriss der Computersprachen gegeben. Assemblersprachen erleichtern den Nutzern das Verstehen der Sprache, sind aber schon älter. Auf dem heutige Stand der Technik sind höhere Programmiersprachen. Höher heißt in diesem Falle weniger abstrakt. Wie schon bei der Erklärung Bits – Daten – Dateien – Anweisungen – Programme wird hier eine Richtungs-Metapher verwendet. Von unten nach oben bedeutet: vom Abstrakten zum Anschaulichen und auch vom Älteren zum Jüngeren/ Moderneren. Ältere Betriebssysteme wie DOS erlauben einem Programm, sowohl Maschinensprache- als auch BIOS51 Basic Input Output System – Ein Programm, das grundlegende Funktionen des Rechners steuert.- und Betriebssystembefehle zu verwenden. Moderne Betriebssysteme, wie z.B. Windows 2000, erlauben einem Programm meist gar nicht, Maschinensprache- oder BIOS-Befehle direkt aufzurufen. Das Programm muss Befehle verwenden, die das Betriebssystem zur Verfügung stellt. Das Betriebssystem behält somit die Kontrolle über die Daten des Systems. (S. 55) Auch das Betriebssystem erhält bei dieser Beschreibung den Status einer belebten, selbstständig handelnden Entität. Ich möchte an dieser Stelle mit der Betrachtung des ersten Textes enden. Das erste Kapitel in Bayers Buch ist ebenfalls nach der Erklärung von Assembler, Compiler und Interpreter beendet. Dieses erste Kapitel sollte dem Leser einen Einblick in den grundlegenden Aufbau eines Computers geben. Es werden dabei Metaphern verwendet. Jedoch ist ihr Gebrauch nicht durchgängig gleich. Mit zunehmender Komplexität wird die Erklärung und der Gebrauch der Metapher verwirrend (Wer steuert die ablaufenden Prozesse?). Zu Beginn der Erklärungen wird der Computer maschinenähnlich beschrieben. Dieses Konzept ändert sich jedoch zunehmend. Am Ende des Kapitels gewinnt man den Eindruck, der Computer ist ein aus mehreren selbstständig handelnden Entitäten zusammengefügtes System.
Eine besondere Kategorie der Computer-Literatur sind die Handbücher (Manuals) zu Programmen oder Computer-Hardware. Zum einen immer wieder ein Quell der Heiterkeit aufgrund kruder Übersetzungen ins Deutsche, aber auch Anlass zur Verzweiflung, da man rein gar nichts versteht. Eine Ausnahme bilden also lesbare, verständliche Handbücher. Das alternative Betriebssystem Linux macht alles anders, besser und ist sowieso per se moralisch zu unterstützen. Das Handbuch für Installation, Netzwerk und Know-how verspricht Linux Know-how auf über 660 Seiten. Es richtet sich an etwas fortgeschrittene Computerbenutzer, die grundlegende Termini der Fachsprache schon kennen. Kapitel 1.1 Was ist Linux? Das eigentliche Linux ist der Kernel, das „Herz” eines jeden Unix-Betriebssystems. (S. 4) Der Beginn einer wunderbaren Metapher? Herz setzt einen lebenden Organismus voraus – Linux ein lebender Organismus? Der Terminus Kernel wird in einem Glossar wie folgt erklärt: Der Kernel ist das Herz des gesamten Systems. Im Kernel laufen alle Fäden zusammen: die Speicherverwaltung, die Führung der Prozesstabelle, Management von Multitasking- und Multiuser-Fähigkeit, die Verwaltung und die Zugriffe auf die Dateisysteme, die Treiber für die Zugriffe auf die jeweilige Hardware etc. Diese Features können z.T. als Module realisiert werden; vgl. Kapitel 13 auf Seite 403. (S. 601) Die Metapher wird wieder verwendet, des weiteren wird die Metapher eines Netzes bemüht. Genauer gesagt eines Netzes in dem alle Fäden in der Mitte zusammenlaufen. In der Mitte des Netzes, befindet sich also das alles steuernde Element. Des weiteren heißt es zum Betriebssystem: Ein Kernel allein ist aber noch kein Betriebssystem. Gerade unter Unix gibt es ein gigantisches Angebot an freier Software; somit sind praktisch alle unter Unix gängigen Dienstprogramme auch für Linux verfügbar. Diese machen das eigentliche Betriebssystem aus. (S. 4) Die freie Verfügbarkeit wird im Zusammenhang mit Linux und Unix oft angesprochen meist mit einer Formulierung wie: Es gibt ein unerschöpfliches Reservoir an frei verfügbarer Software. Bei der Erklärung wird auf die Gefäß-Metapher zurückgegriffen. Das System Unix fungiert als Aufbewahrungsgefäß für die Software. Ebenfalls im Zusammenhang mit Software wird von vielen kleinen und größeren Werkzeugen gesprochen. Das führt uns auf indirektem Weg zurück zur Maschinen-Metapher für den Computer, denn Werkzeuge werden ja u.a. zum Reparieren von Maschinen benutzt. YaST252 YaST – Yet another Setup Tool, eine Installationshilfe. Der Claim Jetzt ein anderes ... findet sich oft in der Computersprache (z.B. Yahoo) um zu zeigen, dass man einen neuen Weg beschreitet. steht als ein intelligentes Werkzeug bei der Erst- oder Neuinstallation des Systems unter einer grafischen Benutzeroberfläche zur Verfügung. (S. 15) Die Weiterführung der Maschinen-Metapher. Allerdings findet sich hier eine Metapher in der Metapher. Das intelligente Werkzeug müsste ja selbstständig arbeiten, eben wie eine selbstbestimmte Entität. In diesem Sinne werden YaST2 einige weitere Verhaltensweisen und Handlungen zugesprochen. Hier und in den folgenden Dialogen wird YaST2 nur Informationen sammeln. Später wird Ihnen YaST2 diese Informationen übersichtlich präsentieren. (S. 19) Also wieder ein Schritt weg von der Maschinen-Metapher, hin zum selbstständig handelnden Organismus. Im weiteren Verlauf der Installationsanweisung finden sich eine Menge Einzel- Metaphern wie: exotische Hardware, Begrüßungsbildschirm und auch bereits bekannte computer-fachsprachliche Metaphern wie: Maus, Schaltflächen, Knöpfe. Die Metaphern sind eingängig, leicht erklärbar. Bei exotischer Hardware kann sich sicher jeder vorstellen, dass es sich dabei nicht um Standard-Bauteile handelt. Etwas schwieriger ist der Fall bei den bereits als bekannt vorausgesetzten Fachbegriffen. Bei der Maus im Zusammenhang mit Computern handelt es sich um eine Zeige-Gerät für den Computerbildschirm. Das ursprüngliche Gerät war eine Holzbox mit Rädern. Wie die Bedeutungsübertragung genau von statten ging, ist nicht genau erklärbar. Douglas Engelbart bemerkt dazu: I don’t know why we call it a mouse, he said during the demo. It started that way, and we never did change it.53 URL am 10.02.2012 http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=origins-computer-mouse Nachdem die Bezeichnung Maus/Mouse sich mit ihrer neuen Bedeutung etabliert hat, findet nun ein Bedeutungstransfer in andere Richtungen statt. Geräte, Werkzeuge (Dinge im weitesten Sinne), die eine ähnliche Größe und Form haben, ähnlich benutzt werden, werden mit der Bezeichnung Maus versehen. Es findet ein Bedeutungswandel statt. Die tierischen Eigenschaften treten in den Hintergrund, die des technischen Geräts (Handlichkeit) treten in den Vordergrund.
Die Metapher: YaST2 = Lebewesen/ Organismus wird während der weiteren Erklärung immer wieder benutzt. YaST2 zeigt, nutzt, erlaubt und richtet ein. Das schon im vorangegangenen Abschnitt besprochene System wird auch hier versucht zu erklären. Eine sogenannte Grundausstattung muss gewählt werden. Man kann sich zwischen ‘Fast alles’, ‘Minimales System’, ‘Standard-System’ und ‘Standard-System mit Office’ wählen. Diese Beschreibung referiert wieder auf den modularen und aufbauenden Charakter des Betriebssystems. Aufbauend auf einer dieser Zusammenstellungen („Grundausstattung”) erlaubt der Button ‘Erweiterte Auswahl’ einzelne Komponenten oder Anwendungen („Pakete”) hinzu zunehmen oder auszuschließen. (S. 22) Komponenten oder Pakete alles vertieft die Metapher vom Zusammenfügen oder Zusammenbau eines komplexen Systems. Beim Auswählen der Anwendungen kann man Zugriff nehmen, ähnlich wie man Teile aus einer Kiste oder einem Regal nimmt. Eine blumige Metapher schildert die Vielfalt der Programme: Wenn sie zu einem schnellen Ergebnis kommen wollen, sollten Sie sich während der Erstinstallation nicht zu sehr in den Dschungel der Anwendungen vertiefen. (S. 23) Im Bezug auf das Betriebssystem wird eine weitere dynamische Metapher etabliert. Das System muss starten. Dies übernimmt der Linux Loader (LILO). Wenn man load als Ladung übersetzt, kommt man zum Vorgang des Aufladens. Linux wird gewissermaßen auf die Festplatte des Computers geladen. Da LILO nicht übersetzt wird möchte ich hier auch nicht weiter auf den Unterschied zwischen aufladen (eines passiven Objekts) und starten (eines aktiven Objekts) eingehen. Unix ist ein Mehrbenutzer-Betriebssystem. Um den verschiedenen Nutzern eigene Rechte einzuräumen und private Datenablage zu ermöglichen, werden Benutzerkonten eingerichtet. Im ursprünglichen Sinne versteht man unter einem Konto die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben, Forderungen und Schulden. Die Bezeichnung ist uns aus der Fachsprache des Geldverkehrs geläufig. Persönliche Daten werden im Computer gespeichert und wir haben besonders gesicherten Zugriff auf diese Konten. Genau diese Eigenschaften machen die Bedeutungsübertragung möglich. Auch beim Benutzerkonto im Linuxsystem hat nur der jeweilige Benutzer Zugriff auf seine Daten, die speziell vor anderen gesichert werden. Eine Eigenheit des Unix/Linux-Systems sind die sogenannten ‘root’-Privilegien. Es handelt sich dabei um bestimmte, weitreichende Rechte die Daten auf einem Rechner zu manipulieren. Das englische root bedeutet soviel wie Wurzel, Fuß, Stumpf oder auch Grund. Im Bezug auf das System hat der Nutzer mit root-Privilegien Zugriff auf die Wurzel oder den Grund des Systems, er hat den Status eines Systemadministrators. Dies verlangt besondere Verantwortung und Sorgfältigkeit, sowie detailierte Fachkenntnis des Systems. Nachdem einige Vorbereitungen abgeschlossen worden sind, endet der Abschnitt mit dem bedeutungsschwangeren: Wenn Sie jetzt ‘weiter’ die Weiter-Taste drücken sagen, wird es ernst mit der eigentlichen Installation. (S. 25) Abgesehen davon, dass wir schon wieder mit unserem Computer sprechen, findet sich die Wendung es wird ernst. Eine alt eingeführte, konventionelle Metapher, welche die besondere Bedeutung der jeweiligen Situation verdeutlichen soll. Und auch bei der Installation eines Betriebssystems sollte man nicht in eine stumpfsinnige ‘Weiter- Klickerei’ verfallen. Die besondere Hervorhebung des nächsten Schrittes ist didaktisch, in meinen Augen, besonders wertvoll. Im weiteren Verlauf des Textes tauchen wieder einzelne Metaphern auf, die besondere Schlüsse zulassen. Eine davon ist die Update-Strategie. Besonders interessant, da der Terminus Strategie von Lakoff54 Lakoff; S. 12ff. in beispielhafter Weise gebraucht wird. Strategie deutet nach seiner Meinung auf einen Kampf bzw. eine Auseinandersetzung hin. Wir müssten also nach einem Feind suchen, den wir mit der Update-Strategie bekämpfen können. Im Zusammenhang mit der Installation wird zunächst ein Basissystem installiert, was auf die Beibehaltung der Schicht-Metapher schließen läßt. Im Abschnitt Mögliche Probleme heißt es: Der verwendete SCSI-Adapter wird nicht erkannt. (S. 34) - Schlussfolgerung: es sollte eine intelligente Entität geben, die das sonst bewerkstelligen kann. Oder auch: Das ATAPI-CD-ROM-Laufwerk bleibt beim Lesen hängen ... (S. 35) Einfach erklärt: Hängen bleiben heißt nicht weiter/ vorwärts kommen. Der Installationsprozess ist also angehalten wurden. Und wir stoßen auch wieder auf die laden-Metapher: Unter bislang ungeklärten Umständen kann es zu Problemen beim Laden der Daten in die RAM-Disk kommen, so dass YaST nicht geladen werden kann. (S.35) Auch die sogenannte RAM-Disk wird, ebenso wie vorher der Computer, als beladbare Entität etabliert. Es läßt sich an dieser Stelle schon feststellen, dass das Beladen die am häufigsten gebrauchte Metapher im Zusammenhang mit Softwareinstallation ist. Es gibt auch andere Begriffe für denselben Prozess, z.B. aufspielen55 Durch eigene Beobachtungen konnte ich feststellen, dass meist Menschen aus dem südwestdeutschen Raum diesen Begriff benutzen.(Kapitel 2.2.7 Systemsoftware und Programme). Für die Gefäß-Metapher sprechen auch die Verwendung der Attribute viel und wenig. Auch die Größe einer Partition auf der Festplatte kann man vergrößern oder verkleinern, ganz wie Speichereinheiten/ -plätze für Schüttgüter, welche mit Trennplatten vergrößert oder verkleinert werden. Je weiter die Konfiguration des Systems voranschreitet, desto mehr tauchen als bekannt vorausgesetzte Computer-Termini auf. Eine zentrale Metapher ist die des Netzes, so gibt es z.B. das Netzwerk, die Netzwerkonfiguration und die Netzwerkkarte, sowie Netzwerktypen und aus dem Englischen Ethernet und Netmask. Da diese Metapher hier nicht neu etabliert wird, möchte ich im Moment auch nicht darauf eingehen, sondern auf das etymologische Glossar am Ende der Arbeit verweisen.
Es gibt jedoch auch Metapher, die die Nutzer im Unklaren lassen. Wenn Sie von Ihrem Systemadministrator oder von Ihrem ISP56 Internet-Service-Provider - eine Firma, die einer Privatperson Zugang zum Internet verschafft. keine Vorgaben bekommen haben, können Sie sich hier was Nettes aussuchen. (S. 43) Was Nettes aussuchen? - Was soll das sein? Eine der treffendsten Metaphern findet sich in der Fehlermeldung kernelpanic wieder. Wenn man dem Text entnommen hat, was der Kernel, ist kann man leicht auf die Bedeutung von kernelpanic schließen. Davon ganz abgesehen, geraten nur lebende Organismen in Panik, was den Schluss zuläßt, dass der Kernel als ein solcher angesehen wird. Die restlichen ca. 600 Seiten des Installations-Handbuches enthalten sicher weitere Metaphern, dennoch wurden grundlegende Erkenntnisse schon aus diesem Abschnitt gewonnen. Eine Zusammenfassung aller Fakten gibt es am Ende des Kapitels drei.
Eine andere Textsorte, als die bisher besprochenen, stellen die journalistischen Texte dar. In den beiden vorangegangenen Texten schrieben die Experten immer selbst, es war eine Erklärung aus erster Hand. Journalisten erhalten Informationen und bereiten sie auf. Erst in zweiter Linie sind sie Experten für ihre Spezialgebiete57 Was aber gerade bei guten Computerzeitschriften nicht immer so klar zu unterscheiden ist. Auf der Computer-Messe COMDEX in Las Vegas zeigt die Firma Texas Instruments ihren neuen Notebook-PC. Sein Herz ist ein 75-MHz-Pentium-Processor, ... (1/95 S.4)58 Alle Seitenangaben beziehen auf die elektronische Ausgabe der Zeitschrift PCpro auf der Archiv-CD-ROM. Die Seitenzahlen sind mit denen der Druckausgabe nicht identisch. Keine technische Erklärung aber immerhin die erste Metapher. Der Computer ist also auch bei Journalisten ein lebendiges Wesen. Neben Mulimedia bilden Information Superhighway und Windows 95 die wichtigsten Trends der Comdex. (1/95 S. 5) Der Begriff Superhighway ist einer der wenigen, dessen Entstehung sich genau datieren läßt. Der Begriff wurde Anfang der 90er Jahre vom heutigen (2000) amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore geprägt. Der Information Superhighway soll als riesiges und sehr schnelles Hochgeschwindigkeitsnetz z.B. Videofilme übertragen können oder Videokonferenzen am Computer ermöglichen.59 Jürgen Abel; Cyber Sl@ng – Die Sprache des Internet von A bis Z; Verlag C.H. Beck; München; 2000; S. 42. Dieser englische Begriff wurde im Deutschen mit Datenautobahn übersetzt. Und bekannt wurde er auch auf Grund des gründlichen Nicht-Verstehens dieser Metapher. Über Bundeskanzler Helmut Kohl lachte 1994 die EDV-Szene, als er sich in einer Fernsehsendung auf die Frage nach einer deutschen Datenautobahn, über den Dauerstau auf den Bundesautobahnen ausließ.60 Ebd Ähnlich wie in den vorangegangenen Beispielen wird auch hier wieder versucht, einzelnen Entitäten organische Eigenschaften zuzuordnen. Hier geht es jedoch vorrangig um Hardware-Computerkomponenten. 40 oder 50 MHz mag der P24T nicht, überlebt sie zwar, verweigert aber den Dienst. (2/95 S. 9) Es treten aber auch Metapher auf, wie: Der Prozessor, dessen Kern dem eines 90-MHz-Pentium entspricht, ... (2/95 S. 9) Der Kern als Sinnbild für etwas inneres wurde schon oft für Metaphern verwendet. Es gibt z.B. den Kern des Pudels. Bezug genommen wird immer auf eine innen liegende und zum Teil auch versteckte Sache. Diese ist jedoch für das sie umgebende Gebilde außerordentlich wichtig. Insofern beschreiben die Metaphern Herz und Kern den Prozessor (CPU) eines Computers sehr treffend. Des weiteren stößt man in dem Artikel von 1995 noch auf die Bezeichnung Pentium- Mutterplatine, welche eindeutig metaphorisch belegt ist. In neueren Publikationen (2001) wird sie jedoch nicht mehr verwendet, da sich der englische Terminus Motherboard durchgesetzt hat. Die Frage des Monats Februar 1995 betraf neue Technologien. Neue Technologien, Produkte und Anwendungen brauchen immer eine gewisse Zeit zum Reifen. (2/95 S. 12) Interessant in dieser Zeile ist die besondere Hervorhebung der Metapher. Der Autor war sich scheinbar nicht sicher, ob seine Bedeutungsübertragung erkannt wird. Sollte die Software der ersten Generation noch das Arbeiten am Computer erleichtern, so geht heute der Trend zur Teamarbeit am Computer. Und die Software der neuen Generation trägt den Namen Groupware. (2/95 S. 13) In dieser Überschrift wird der Begriff der Generation gebraucht. Es gibt eine erste Generation und eine neue. Folgt man der innewohnenden Bedeutung des Begriffs Generation, so baut die neue auf die alte auf. Mehr noch, es besteht gewissermaßen ein Hervorbringungs- und Vererbungszusammenhang. Die Metapher der Generationen wurde auch schon von Wichter (siehe Kapitel 3.1) bemüht. Sie passt sehr gut, wenn es darum geht, eine Folgeentwicklung zu beschreiben. Im weiteren Verlauf der Erklärung von Groupware wird von einer breiten Palette von Anwendungen gesprochen. Dies signalisiert wieder die Vorstellung eines Gefäßes, in dem Anwendungsprogramme gleichsam gesammelt werden. Das Auftreten einer weiteren nicht-technischen Metapher läßt sich in diesem Artikel beobachten. In einer Randglosse wird über die Beschwerden vieler Nutzer über den hohen Preis der Software berichtet. Die Herstellerfirma entschloss sich daher eine funktionsgeminderte, aber preiswertere Version unter dem Namen Notes-Express herauszugeben. Der Zusammenhang Name-Preis wird genau erläutert. (2/95 S. 16) Bis heute hat sich der Anhang Express für eine Sparvariante der eigentlichen Software durchgesetzt. Es gibt z.B. Outlook Express oder auch Frontpage Express. Ein weiterer Hervorhebungsfall tritt im Text auf. Es handelt sich dabei um den normalsterblichen Anwender. Hier wird ein weiterer metaphorischer Bogen geschlagen. Unsterblich sind seit jeher Helden und Götter, normalsterblich ist der Rest dieser Welt. Was uns aber hier gesagt werden soll, ist: Man muss kein Computer-Gott sein, um diese Software zu verstehen und zu bedienen. Ein Jahr später verraten uns Journalisten, wo die Daten-Post abgeht (1/96 S. 99). Basis dieser Methapher ist hier die Redewendung „Da geht die Post ab”, welche die Bedeutung hat: Hier laufen Prozesse sehr schnell ab. PCpro testet, wie komfortabel Zugänge zum Cyberspace sind. (Ebd.) Das Wort Cyberspace ist einer der Schlüsselbegriffe der letzten Jahre. Streng genommen handelt es sich um ein Konglomerat von Ergänzungen zur Vorsilbe Cyber-. Sie werden immer dann verwendet, wenn es um Dinge geht, die sich im Internet befinden oder in engem Zusammenhang mit ihm stehen. Netz wäre eine angemessene Übersetzung ins Deutsche. Wie bereits erwähnt wurde Cyberspace das erste mal von William Gibson in seinem Roman Neuromancer verwendet. Die Wurzel geht wahrscheinlich auf das griechische kybernetike zurück. Es bedeutet soviel wie Steuermannskunst. Bis heute hat sich der Bedeutungsanteil des Steuerns erhalten, nur geht es jetzt um die Steuerung komplexer Maschinen wie Computer und Roboter.61 Das Wort Roboter wurde vom tschechischen Schriftsteller Karel Capek erstmals verwendet und leitet sich aus der Wurzel robota für (Fron-)Arbeit ab. Im Cyberspace gibt es also Cyberpunks, Cyberboys und Cybergirls, man trifft sich in Cybercafés, plaudert im Cyberslang und bezahlt mit Cybercash.62 Abel; S. 39 Cyber- fungiert gleichsam als Etikett welches bedeutet: modern, technisch aufgeschlossen, Internet konform. In diesem einen Wort, oder besser dieser einen Silbe spiegelt sich der Zeitgeist der Neunziger. Es hat außerordentlich starke metaphorische Kraft. Ein weiteres kleines Universum ist um das Wort Java entstanden. Eigentlich ist Java eine Insel im indischen Ozean. Dort wird eine bekannte Kaffeesorte angebaut. Und diese ist bei den Programmierern sehr beliebt. Anfang der Neunziger wurde von eben solchen Programmierern eine neue Programmiersprache entwickelt, die sie Java nannten. Sie war revolutionär, weil man Programme schreiben konnte, die auf allen Betriebssystemen liefen (plattformunabhängig). Zur Technik ließe sich noch einiges ausführen, hier geht es aber um die Sprache. Java animierte anscheinend alle Journalisten zu besonders kreativer Wort- und Metaphernfindungen. Hier einige Beispiele: Java-Applikationen – Krönung oder kalter Kaffee? Der lange Weg nach Java. Die Kaffeemühlen kommen. Frisch geröstet. Kaffee nachgeschenkt. (2/1997 S. 42ff) Wir stoßen auf eine Vielzahl von Metaphern, deren Interpretation einiges Hintergrundwissen erfordert. Krönung oder kalter Kaffee. In Deutschland hat diese Bezeichnung besondere Bedeutung, da ein großer Kaffeeröster unter diesem Namen (Krönung) sein Spitzenprodukt vertreibt. Kalter Kaffee, dass dürfte jedem klar sein, ist einfach nur unappetitlich. Also lautet der Schluss der Interpretation: Sind Java-Anwendung eine Verbesserung oder nicht? Wer die deutsche Kaffeemarke nicht kennt, muss zwangsläufig bei der Interpretation der Metapher scheitern. Eine Kaiser- oder Königskrönung und kalter Kaffee passen irgendwie nicht zusammen. Auch bei den Kaffeemühlen muss der Leser etwas um die Ecke denken. Was ist die Funktion der Kaffeemühle? Kaffeebohnen zerkleinern. Was machen also die so bezeichneten Programme? Sie zerkleinern Java oder besser gesagt sie zerlegen den Code, so dass er für Programmierer erkenn- und bearbeitbar wird. Frisch geröstet versucht eine Beziehung zu neu herzustellen. Kaffee ist nur frisch, wenn er gerade geröstet wurde. Die Programme, die also frisch geröstet wurden, sind gerade erst entstanden. Die Liste der Java-Beispiele ließe sich noch um einiges ergänzen. Es sollte jedoch jetzt schon klar geworden sein, wie eine einzige Metapher Ausgangspunkt für eine ganze Reihe kreativer Neuentwicklungen sein kann. Kreativ gehen auch zwei bis auf’s Messer verfeindete Gruppen von Computer- bzw. Betriebssystemnutzern miteinander um. Es handelt sich dabei auf der einen Seite um Nutzer von Computern mit Intel-Prozessoren und DOS/ Windows- Betriebssystem und auf der anderen Seite Besitzer von Apple Macintosh Rechnern mit dem Betriebssystem Mac OS. Aus Intel und Windows wird Wintel und die Rechner mutieren zu DOSen (von Disk Operation System). Ein Redakteur beschreibt in seiner Glosse die Situation wie folgt: Vorreiter Macintosh. Es braucht immer ein Weilchen, bis sich die Innovationen des Macintosh auf dem PC durchsetzen, schon weil große Massen träge sind, und das ist nicht nur rein physikalisch gemeint. So dauerte es rund zehn Jahre, bis die 1984 auf dem Mac eingeführte Oberfläche samt DTP und Photoshop halbwegs perfekt kopiert und die Schlacht der Mäuseschubser gegen die DOS-Kryptohacker geschlagen war. (1/2000 S. 24) Die Überschrift Vorreiter Macintosh ist verständlich, denn Vorreiter kennt man auch aus dem normalen Alltag. Es wird damit eine Person oder Gruppe von Personen bezeichnet, die neue Ideen durchsetzen und selbst leben. Sollte das jemandem unbekannt sein wird es nachfolgend noch einmal erklärt. Nach einem kurzen Ausschnitt Technikgeschichte folgt jedoch eine sehr schwer zu begreifende Metapher: die Mäuseschubser gegen die DOS-Kryptohacker. Um dies zu interpretieren, ist eine Menge Fachwissen nötig. Die Mäuseschubser sind in diesem Falle die Apple- User. Beim Mac OS können viele Manipulationen grafisch ausgeführt werden, d.h. z.B.: Eine Datei anklicken, markiert lassen und mit der Maus bzw. dem Mauszeiger in dem Papierkorb (Papierkorbsymbol auf dem Desktop) ziehen. Die Datei gilt somit als gelöscht. Während also die Apple-User sich so das Arbeiten erleichtern konnten, waren die PC-User noch etwas unkomfortabler dran. Das DOS (Disk Operating System) war vorerst nur im Kommandozeilenmodus zu bedienen. Vorausgesetzt man kannte die entsprechenden Befehle, konnte man auch eine Datei löschen. Ein Beispiel dazu:
move c:\texte\haus c:\texte3
verschiebt das Verzeichnis
Texte\Haus
nach
Texte3
Falls ein gleichnamiges Verzeichnis existierte, wurde es überschrieben. Beim Mac musste man die Datei vermutlich nur anklicken und in den entsprechenden Ordner ziehen. Und nun wird auch klar, was unter den DOS-Kryptohackern zu verstehen ist. Und man muss natürlich auch wissen, dass es sich bei der Maus um ein Bildschirmzeigegerät handelt. Besonders Überschriften sollen dem Leser die nachfolgenden Artikel schmackhaft machen. Also wird nach einer bekannten Assoziation gesucht. Doppel-Hertz – Gleich zwei der schnellen Rage-128-Pro-Chips arbeiten auf der Rage Fury Maxx parallel und sollen ATI eine Führungsrolle auch bei den leistungsfähigen Grafikkarten erschließen. (1/2000 S. 42) Auch wenn man von diesem Satz nur wenig verstanden hat, soviel dürfte klar sein: Auf der Platine arbeiten zwei Schaltkreise, die so wichtig sind wie zwei Herzen. Nach dem der deutsche TV-Konsument jahrelang mit Werbespots einer bestimmten Marke penetriert wurde, kann er sich unter Doppel Her(t)z doch etwas gut und kräftig Arbeitendes vorstellen. Teurer Zwilling – völlig klar ein Gerät gleicht einem anderen, wie eben ein Zwilling dem anderen, bis auf einen winzigen Unterschiede (im darauf folgenden Artikel u.a. der Preis). Der Partitions-Jongleur kann schwierige Kunststücke, in diesem Falle auf dem Gebiet der Plattenpartitionierung (Aufteilung) ausführen. Was ist schmal und nur fingerdick? Genau ein Powerriegel genannter Handheld-PC. Genauer gesagt die Klasse der kleinsten Rechner auf denen Sonderversionen unserer bekannten Betriebssysteme laufen. Und diese sollen nicht für klein oder kraftlos gehalten werden. Als kurzes Fazit läßt sich feststellen, dass in den journalistischen Texten Metaphern punkthaft eingesetzt. Zusammenhänge kommen weniger zum tragen.
Als Magazin der Netzkultur beschreibt sich Telepolis aus einem bekannten deutschen EDV-Zeitschriften Verlag. Im Gegensatz zu den anderen Printpublikationen gibt es Telepolis jedoch nur im Internet. Es handelt sich also wieder um eine etwas andere Textsorte. Die meisten Online-Magazine sind sehr technik-fixiert. Man findet meist alles um neue Rechner, Platinen, Grafikkarten und Betriebssysteme. Die Macher von Telepolis hingegen schauen über den technischen Tellerrand. Es wird versucht, Technikentwicklung und Gesellschaft miteinander zu verbinden. Die Zielgruppe von Telepolis dürfte sehr speziell sein. Zum einen sind es nicht die „üblichen” Freaks, die nach neuen Overclocking63 Als Overclocking (dt. Übertakten) bezeichnet man das Manipulieren des Mainboards eines Rechners, um mehr als die vom Hersteller eingestellte Taktfrequenz zu erreichen- Tipps suchen und sich dementsprechend im Internet bewegen. Zum anderen sprechen die Inhalte eine Gruppe von Menschen an, die meist unter dem Label Intellektuelle summiert werden und schon von daher keinen Computer anfassen. Es richtet also an eine Schnittmenge dieser beiden Gruppen. Das Archiv von Telepolis umfasst Beiträge seit 1996.
Lego hält die Welt zusammen. Der Roboterbaukasten "Mindstorms" lehrt Kindern das Hacken (Konrad Lischka 16.12.2000). Jeder in unserem Kulturkreis kennt das Spielzeug des dänischen Herstellers und auch die komplexen Möglichkeiten seiner Verwendung. Metapher erkannt: Hier geht es um den Zusammenbau verschiedener kleiner Teile zu einem Großen. Der zweite Satz birgt schon weitaus mehr Gefahr in sich, denn der Begriff hacken ist fast durchweg negativ besetzt. Doch wird er hier in einer (der?) Grundbedeutung von System erforschen eingesetzt. Der zufällige Surfer könnte schwer verblüfft sein und eine Anleitung zu kriminellem Handeln vermuten. Lego war immer schon der drittbeste Freund des Hackers. Nach Computern und Telefonen. Denn die Philosophie der Kunststoffsteine mit den Noppen oben drauf und Röhrchen im Hohlraum gleicht den Hackerprinzipien: Vorgegebene Funktionsweisen erforschen, ignorieren, dann die Struktur auseinander nehmen, kennenlernen und zu etwas Neuem zusammensetzen und für etwas von den Konstrukteuren gänzlich unerwartetem verwenden. (Ebd.) Besser könnte eine Metapher nicht erklärt werden. Die Lego-Bausteine und ihre Verwendung stehen für das Konzept des Hackens. Bedeutungsübertragung: Die Lego-Steine kann man nach Anleitung zusammenbauen. Man wird vermutlich ein solides Ergebnis erzielen. Aber sobald man das Prinzip einer stabilen Konstruktion erkannt hat, kann man seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Das System der Lego-Steine ist flexibel; man kann es ausdehnen, für sich nutzen. Genau darum geht es bei der Konstruktion dieser Metapher. Man kann seinen Computer per AOL-Software ins Internet bringen und muss dazu mehrere MB Software auf dem Rechner installieren, oder man wählt den direkten und schlanken Weg über die wenige KB große DFÜ-Verbindung. Und als das Hacken von Telefonrelais vom Eindringen in Computernetze, um deren Funktionsweise zu entdecken, abgelöst wurde blieb der Antrieb derselbe wie beim Lego-Bauen. (Ebd.)
Der auch in Deutschland erhältliche Roboter-Baukasten "Mindstorms" sollte nicht nur Kinder ab zwölf von Videospielen zu Programmiersprachen bringen, sondern hatte auch gute Aussichten, Hacker vom Programmieren zurück zum Legostein zu bewegen. (Ebd.) Zurück zu den Legosteinen steht für: zurück zu den Wurzeln, zurück zu den Anfängen. Dem Autor gelingt ein geschickter Zirkelschlag. Im realen Leben verbinden sich Computer und Legosteine - der Computer findet zu seinen Wurzeln (systembezogen). Und metaphorisch steht der Legostein ebenfalls für die Anfänge einer Bewegung. In der Süddeutschen Zeitung wurde die Veröffentlichung eines Software-Quellcodes kürzlich treffend als "Blick in die Seele" beschrieben. So funktioniert heute die öffentliche Wahrnehmung: Programmieren wird nicht als Kommunikation, sondern als Zauberei angesehen. Der SF-Autor Arthur C. Clarke hat gesagt: "Jede ausreichend weit entwickelte Technologie ist nicht zu unterscheiden von Magie." Das darf nicht passieren. Denn was heute verschleiernd Informationsgesellschaft genannt wird, besteht wie eine Lego-Feuerwehr aus vielen gängigen Bausteinen. Wichtig ist allein, wer sie wie zusammensetzt. (Ebd.) Jetzt wird’s ganz schwer Quellcode = Blick in die Seele. Die Seele als Innerstes des belebten Körpers. In welche Seele schauen wir eigentlich? Ist es a) die Seele des Erzeugers des Quellcodes oder ist es b) die Seele der Maschine, die den Quellcode ausführt? Die hier vorkommenden Metaphern sind mehr Poesie als Erklärung, sehr schön aber schwer verständlich. Programmieren ist nicht Kommunikation, sondern Zauberei. Wie im Vorwort der Arbeit angeführt, ab einem bestimmten Abstraktionsgrad schwindet die Anschaulichkeit. Als die Metallkontakte noch über die Lochkarten glitten, konnte Jederman sehen, warum die Karten in die Fächer sortiert wurden. Jetzt geschieht alles im Verborgenen, gleich magischer Illusion bekommen wir Ergebnisse, deren Entstehung wir nicht verfolgen konnten und die wir manchmal gar nicht wollten. Am Ende des Textes spiegelt sich noch einmal ein Grundsatz/ Grundantrieb des Hackens wieder: erklären statt verschleiern. Und letztendlich die Hoffnung, dass unsere Computersysteme so einfach zu erklären wären wie der Aufbau einer Lego-Feuerwehr. Mit klarem Kopf durch die Cyberwelt (Helmut Bäumler 14.12.2001) unter dieser Überschrift wird das Buch „Datenjagd im Internet - Eine Anleitung zur Selbstverteidigung” von Christiane Schulzki-Haddouti besprochen. Zwei metaphorische Konzepte werden hier bemüht. Einen klaren Kopf behalten – diese Metapher wird konventionell benutzt, um zu beschreiben wie jemand in einer gefährliche und unübersichtlichen Situation überlegt und richtig handelt. Diese Situationen können also auch im Internet auftreten (unter der Voraussetzung wir verstehen unter Cyberwelt das Internet), so muss man aus der Überschrift folgern. Der Buchtitel enthält geballte metaphorische Informationen. Eine Jagd wird meist auf wilde Tiere veranstaltet. Eine Bedeutungsübertragung fand schon auf andere Dinge oder Gegenstände statt (Filmtitel: Jagd auf Roter Oktober64 Ein sowjetisches U-Boot., Buchtitel: Auf der Jagd nach Spitzenkräften). Der metaphorische Kern enthält die Bedeutung: Wir möchten etwas bekommen, dass nicht ohne weiteres zu bekommen ist. Die Sache entzieht sich uns oder wird uns entzogen. Nun die Bedeutungsübertragung auch im Internetbereich. Und die Metapher wird im weiteren Verlauf sogar noch vertieft. Es geht um staatlichen und privatwirtschaftlichen Datenhunger. Das passt, denn wer Hunger hat, geht jagen. Es gibt dort scheinbar Daten65 Im Internet gibt es eigentlich nur Daten., die jemand unbedingt möchte und deshalb jagen muss. Aber was bedeutet: Eine Anleitung zur Selbstverteidigung? Man verteidigt sich selbst, wenn man angegriffen wird. Wie aber können wir in unserer nicht körperlichen Form im Internet angegriffen oder sogar geschädigt werden? Im Verlauf der Buchbesprechung wird klar: Es geht um persönliche Daten von Internetnutzern. Das Recht auf Anonymität scheint bedroht. Die Situation wird durch neue Technologien immer mehr in Richtung Überwachung verändert. Geschützt werden muss die Privatsphäre des Internetnutzers. Sein Recht auf ein unbeobachtetes Leben auch im Cyberspace. Nicht nur Gesetze sichern diese Privatsphäre, sondern auch der Nutzer selbst kann die Datensammlung erschweren, wenn er dies will. Wozu all dieser Sammeleifer? Dass es nicht allen Sammlern und Jägern um das Überwachen als Selbstzweck geht, erfährt man im Kapitel „Datenwirtschaft”. (Ebd.) Die Metapher wird also noch ausgebaut. Wer die Jäger und Sammler waren, erfährt man in der Schule, es handelt sich um eine frühe Zivilisationsstufe der Menschen. Im Gegensatz zum Jagen stehen im Mittelpunkt des Sammelns eher passive Gegenstände. Wir müssen also zu dem Schluss kommen, dass es sowohl aktive als auch passive Daten im Internet gibt. Was passierte mit den gejagten oder gesammelten Gegenständen? Sie wurden gelagert und dann getauscht oder verkauft. Und auch hier bleibt Schulzki-Haddouti der Metapher treu. Schulzki-Haddouti analysiert die Verwertungsmöglichkeiten, wenn personenbezogene Daten erst einmal unter Kontrolle gebracht sind, schildert die Strategien der einschlägigen Unternehmen und nennt konkrete Preise. Wenn es zutrifft, dass ein "guter Datensatz" im Schwarzhandel 300 DM kostet, dann läßt sich leicht hochrechnen, dass der Datenhandel ein Millionengeschäft ist.(Ebd.) Es wird (oder ist bereits) eine komplette Warenwirtschaft mit den Daten entstanden. Es gibt in der Buchbesprechung von Helmut Bäumler auch die bereits vorher erkannten Einzel-Metaphern. Sie schreibt für ein anspruchsvolles Fachpublikum und für den "Ich-bin-drin-Leser" gleichermaßen.(Ebd.) Wer oder was ist der "Ich-bin-drin-Leser"? Wieder ist Hintergrundwissen aus der Werbung gefragt. Der Provider AOL wirbt mit besonders leichtem Internetzugang. Und ein Prominenter warb mit dem Spruch „Ich glaub’, ich bin drin”. Dies legt die Vorstellung nahe, es gäbe keine Schwierigkeiten und man würde scheinbar unbemerkt ins Internet gelangen. Und für die Bedeutungsübertragung folgt daraus: der "Ich-bin-drin-Leser" ist ein Internetnutzer mit wenig Fachkenntnissen.
Die Rückkehr des Raumes – Ohne Raum/im Raum – Land und (Daten-) Meer (Markus Schroer 27.08.2001, http://www.heise.de/tp/artikel/9/9345/1.html).
Im letzten Text keine Computer – versprochen! Es geht vielmehr um ein Medium, das ohne Computer nicht existent wäre. Das Internet ist ein Verbund verschiedenster Computer. Alle sind miteinander verbunden, sie können Daten untereinander austauschen. Es gibt keine Ersten und keine Letzten. Es gibt keinen, der Anweisungen erteilt oder auch Anweisungen ausführen muss. Das Internet ist dezentral organisiert und seit ca. 10 Jahren gibt es das WWW, einen Ausschnitt des Internets, der besonders leicht zu bedienen ist. Und eine der wesentlichsten Fragen ist: Wie kann man sich das Gebilde, das Ding Internet vorstellen? Ist es mehr als die Summe seiner Einzelteile, Kabel und Transistoren? Abgesehen von den Wissenschaftlern und Freaks, die sich im Internet „herum treiben”, wird versucht, dem Normalbürger die Vorteile des Internets zu erklären. Und das natürlich mit Metaphern. Das Netz als solches mag noch konkrete Gegebenheiten wie eben jenes Netz von Kabeln und Rechner (als Knoten) haben. Aber in der Vorstellung der meisten Benutzer gleicht das Internet wohl eher einem virtuellen Raum, wenn nicht gar einer Parallelwelt oder einem Paralleluniversum. Und da das Ding zum Raum erhoben, kommen ihm auch alle Eigenschaften eines Raumes zu. Und genau darum geht es im Telepolis-Artikel von Markus Schroer. Ein wesentliches Merkmal eines Raumes ist seine Abgrenzbarkeit. Unsere grundlegendsten Erfahrungen basieren auf der Räumlichkeit unserer Umgebung. Nah und fern, hier und dort, innen und außen, verschwinden und ankommen u.v.m. repräsentieren dies in der Sprache. Und gleich hier bricht unser neuer Raum mit den Konventionen. Er gibt vor, grenzenlos zu sein. Aber, dass man die Grenzen nicht ohne weiteres erfahren kann, heißt nicht, dass es keine gibt. Im neuen virtuellen Raum gibt es andere als die uns bekannten Grenzen. Eine davon ist die Grenze zwischen realer Welt und der Welt des Möglichen, also des virtuellen Raums. Kommunikation ist von jeher an eine gewisse Erreichbarkeit gebunden. Mit jemanden, den wir räumlich nicht erreichen, können wir auch nicht kommunizieren. Und mit jemanden, der uns gegenüber steht können wir am besten kommunizieren66 In der Sprache des Internets mit dem Akronym f2f abgekürzt, was soviel bedeutet wie face to face.. Geographische Nähe ist kein verlässliches Kriterium mehr für die Möglichkeit der Kontaktaufnahme und den Aufbau sozialer Beziehungen, denn im Netz wohnen gewissermaßen alle gleich nah nebeneinander, nur jeweils einen Klick weit vom Anderen entfernt. (Markus Schroer 27.08.2001) Eine weitere Konkretisierung des virtuellen Raumes ist der Vergleich mit dem Meer (der Datenozean, Vilém Flusser: das Meer der Möglichkeiten). Im Mittelalter erstreckten sich die Ozeane scheinbar ohne eine Grenze. Der Mensch verließ das ihm vertraute Festland, um den unbekannten Raum zu erforschen. Es gab keine Grenzen und es war auch vorerst nicht möglich, auf eine bekannte Art und Weise diesen Raum zu besetzen. Genau so verhält es sich heute im Internet. Die Staaten, welche sich zu einem wesentlichen Teil über ihr Staatsgebiet und ihre Bevölkerung definieren, sind im Internet dieser Möglichkeit beraubt. Der noch unbekannte virtuelle Raum wird gerade erforscht. Und es wird nach Mitteln gesucht, ihn zu beherrschen. Zur Beherrschung der Meere wurden starke Seeflotten gebaut und sie sicherten durch ihre Präsenz die Einflussgebiete auf dem Meer. So einfach wird es bei der Besetzung des virtuellen Raums nicht sein, denn alleinige quantitative Präsenz reicht dafür nicht aus. Doch Anfänge der Besetzung sind schon zu erkennen. Es handelt sich dabei um zugangsbeschränkte Bereiche wie Firmennetze oder bezahlpflichtige Angebote. Dies könnte man eventuell vergleichen mit Kanälen, bei denen für die Durchquerung bezahlt werden muss. Das Surfen ist die mühelose und individuelle Art, das Datenmeer zu durchqueren. Von daher ist wohl die Durchquerung des Internets für die meisten Leute eher mit mühevollem Rudern zu vergleichen. Der heutige Individualreisende im Datenmeer ist Steuermann (navigieren) und Maschinenwärter (browsen) zugleich. Das Browsen erledigt die Internet-Maschine Browser für uns. Die Navigation verlangt jedoch unsere volle Aufmerksamkeit. Über eine Seekarte verfügen wir meist nicht, aber Seezeichen in Form von Navigationsleisten und Navigationselementen (Button, Pfeile, Textlinks, etc.) helfen uns weiter.
Wissenschaftliche Studien67 Merian-Analyse (Medien- und rechnergestützte Interaktionsanalyse) durchgeführt von der Uni Göttingen und der Gesellschaft für angewandtes Direktmarketing (GAD) in „Orientierung braucht viel Zeit”, „Werben&Verkaufen”, 10/99, S.19. ergaben, dass Besucher einer Webseite 29 dürfte klar sein. Beim Kreismodell kann man sich beinahe blind voranklicken und kommt irgendwann wieder zum Ausgangspunkt. In der Baumstruktur ist irgendwann Schluss und man muss sich zurück hangeln. Die Verwendung der See- und Meermetaphorik für das Internet erfolgt keineswegs zufällig. Die Entdeckersemantik im Netz verweist darauf, dass hier Entdeckungen gemacht werden können, die einst in der Realwelt stattfanden, dort aber offenbar nicht mehr möglich sind, sich der Aufbruch in den elektronischen Raum folglich als Surrogat für die real nicht mehr möglichen Abenteuer und Entdeckungen anbietet. Insofern hat Virilio (2001) wahrscheinlich Recht mit seiner Annahme, dass der Aufbau des elektronischen Raums aus einer Krise des realen Raums resultiert. (Ebd.) Und spätestens an dieser Stelle ist zu merken: Die Metaphern erklären nicht mehr einen konkreten Zusammenhang, sondern ordnen gesellschaftliche, fast philosophische Zusammenhänge. Und der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass sich der Cyberspace mehr und mehr in befestigtes Territorium verwandelt. Wie einst das Meer wird er nun vermessen parzelliert und aufgeteilt. Eine offene Frage bleibt die Aussparung eines weiteren Elements, der Luft, für die metaphorische Verwendung. Am Endes des Textes kommt es zur Überlegung, die Internet-Gegebenheiten in der Realität zu erproben. Die Entwicklung des Internet trägt mit dazu bei, Raum nicht mehr länger als gegebene Konstante zu verstehen, als Behälter oder Rahmen, in dem sich Soziales abspielt, sondern als durch soziale Praktiken erst Erzeugtes aufzufassen und damit von Räumen auszugehen, die es nicht immer schon gibt, sondern die erst durch Handlungen hervorgebracht werden. Ein solches Raumverständnis dürfte erhebliche Konsequenzen auf allen gesellschaftlichen Ebenen, nicht zuletzt für den politischen Raum haben, denn es erlaubt zumindest die Vorstellung, dass sich an ein und demselben Ort die verschiedensten Räume befinden können. Gerade aber Staaten leben bisher von der Idee der Exklusivität ihres Herrschaftsraumes. Wo ein Staat ist, kann nicht auch noch ein anderer sein. Nach dieser Logik gestaltet sich die politische Weltkarte bis heute. Doch in einem politischen Vorschlag zur Lösung des Territorialkonflikts zwischen Israel und Palästina hat sich das neue Raumverständnis womöglich bereits niedergeschlagen. Statt das Land zwischen Israelis und Palästinensern zu teilen, soll es nach der Vorstellung von Rabbi Fruman "zwei Staaten auf demselben Territorium geben. ‘Israel in Palästina, Palästina in Israel. Zwei Flaggen, zwei Hymnen, zwei Parlamente, zwei Präsidenten, zwei Regierungen.’".2 Damit würde ein politischer Konflikt erstmalig nicht mehr durch die Aufteilung von Land, durch Zonierung und Trennung gelöst, sondern durch die Mehrfachnutzung und Mehrfachcodierung von Raum.(Ebd.)
Die vier untersuchten Texte sind natürlich keine Menge aus der sich wissenschaftlich fundierte Schlüsse ziehen lassen. Ich habe sie mehr oder minder willkürlich ausgewählt, es sollten verschiedene Textsorten sein. Und nur aus meiner eigenen Erfahrung68 15 Jahre kann ich z.B. sagen: „Ja, Handbücher sind oft in diesem Stil verfasst.” oder „Zeitungsartikel haben oft solche Überschriften.” Die untersuchten Texte zeigen jedoch schon einige wesentliche Merkmale der Metapher-Verwendung. Metaphern werden, wie überall, auch in Computer bezogenen Texten verwendet. Begonnen haben Lakoff und Johnson mit den Orientierungs-Metaphern. Und wenn wir mit dem Rechner arbeiten, fahren wir ihn hoch. Wird er ausgeschaltet, wird er runtergefahren. Das Betriebssystem Windows 95 führte einen Button „Start” ein. Und der Gedanke dahinter ist sicherlich, dass der Anwender von hier aus überall hinkommen kann, alle Programme ausführen – „Hier geht es los!“. Mehr noch die Metapher Start vermittelt eine gewisse Dynamik, denn nach dem Start geht es gemeinhin nicht langsam weiter. Auch die zugehörige Werbekampagne des Herstellers lautet frei übersetzt: Wohin wollen Sie heute gehen? Also eine Vorwärtsbewegung, es wird eine Raumorientierung angenommen. Ebenso wichtig ist das Konzept des Rechners als Gefäß. In ihm drin sind die Programme und Daten, er hat eine Begrenzung und es gibt Innen und Außen. Daten werden gespeichert und sogar ganz detailiert gestapelt. Sie werden auf- und abgeladen (upload, download) und sie fließen in den Rechner (streaming). Weitere Orientierungen sind: vom Abstrakten zum Anschaulichen und vom Älteren zum Jüngeren bzw. Moderneren. All diese Richtungsweisungen entsprechen der von Lakoff und Johnson festgestellten prinzipiellen oben/ unten – Orientierung bei Metaphern. Bei der Einführung der Entitäten werden Eigenschaften belebter und unbelebter Dinge verwendet. Am häufigsten werden Computer mit komplexen Maschinen oder komplexen lebenden Organismen verglichen. Diese Organismen können z.B. Körper von Säugetieren sein, oft auch der menschliche Körper. Was das Herz im Körper tut und im Unterschied dazu auch das Gehirn, ist den meisten Menschen klar, auch wenn es nicht explizit wird. Bei Maschinen-Metaphern geht es hingegen meist um Prozesse. Etwas wird verarbeitet, geteilt, gelagert oder ähnliches. Und hier wird meist mit Struktur-Metaphern gearbeitet. Einzelne Komponenten arbeiten zusammen oder werden getrennt. Verwirrend ist allerdings das Durcheinander der Bildspender. Die Metaphern wechseln von belebt zu unbelebt und wieder zurück. Einmal Maschine und im nächsten Satz schon wieder mit einem Herz und einem Gehirn bestückt. So verwirrend es auch sein mag, es ist in den meisten Fällen für die Erklärung nicht von Bedeutung. Der Leser kann sehr gut unterscheiden und weiß was, es bedeutet, wenn eine Maschine ein Herz hat. Das ist einfach das Ding, was im Inneren antreibt. Der Erkenntnisprozess wird davon nicht betroffen. Besonders stark kam dieses (scheinbare) Problem im ersten Textbeispiel (Jürgen Bayer „Programmierung”) zum tragen. Der (auch scheinbare) Widerspruch: Ist der Computer nun eine belebter Organismus oder eine unbelebte Maschine ist nicht von Bedeutung. Auch auf das vollständige Ausfüllen der Metapher (etwa: lebender Organismus – wo sind die Gliedmaßen?) kann verzichtet werden. In kleinen abgeschlossenen Portionen wird die Metapher und die Erklärung verabreicht und auch verstanden. Anders stellt sich die Situation bei den journalistischen Texten dar, dort - speziell in den Überschriften geht es nicht um Erklärung. Hier geht es um das Anlocken der Leser. Mit geschickt formulierten Metaphern verführt der Autor dazu, den Text weiter zu lesen. Das Weltwissen des Leser ist gefragt. Und das in teilweise sehr engen Grenzen. Die Java-Kaffee-Geschichte zeigt, wie sehr man mit den Fachtermini und auch landestypischen Mustern (Jakobs Krönung) vertraut sein muss, um die Metapher zu verstehen. Hier wird jedoch kein Konzept abgebildet, sondern es handelt sich eher um eine rhetorische Figur im klassischen Sinne. Aber auch in den journalistischen Texten werden die Raum-, die Struktur- und die ontologischen Metaphern erklärend benutzt. Wir stoßen wieder auf die Metaphern aus dem Bereich belebter, selbstständiger Organismus. Hier beziehen sie sich jedoch nicht auf so klare Eigenschaften oder Abläufe. Eher unscharf aber dennoch verständlich ist die Formulierung: „Der Rechner mag nicht.” Ebenfalls erwähnenswert ist der Wandel oder die „Nicht-Durchsetzung” bestimmter Metaphern. In diesem Falle meine ich speziell die Verwendung des Begriffs „Mutter-Platine” in einem Text von 1995. Zwei Deutungen sind hier aus meiner Sicht möglich. Erstens, die linguistisch angenehme: Der Autor hat den Fachbegriff aus dem Englischen übersetzt und dann in seinem Text benutzt. Im Laufe der Sprachentwicklung hat sich jedoch der englische Begriff durchgesetzt (analog dem Beispiel Computer vs. Verdater)69 Dieter E. Zimmer; Deutsch und anders – Die Sprache im Modernisierungsfieber; Rowohlt Verlag; Reinbek bei Hamburg; 1997; S. 86.. Die zweite Möglichkeit: Der Verfasser wollte einen bewussten (und vielleicht ironischen) Gegenpol zu den dominanten englischen Fachbegriffen herstellen. Für diese These spricht auch das Ergebnis der Assimilations-Untersuchung von Dieter E. Zimmer. Er untersucht die Aufnahme englischer Computerfachbegriffe in europäische Sprachen. Das englische Wort motherboard gilt mit der Übersetzung Hauptplatine als assimiliert. In journalistischen Texten wird deutlich kreativer bei der Bildung und Verwendung von Metaphern vorgegangen. Und dies ist sicher in erster Linie an Hand der Textsorte erklärbar. Der Autor kann es sich leisten in kleinerem Maße ungenau oder teilweise unkorrekt zu arbeiten. Im Gegensatz zu Computer- Handbüchern sind seine Texte nicht so fundamental. Falls es nicht ausdrücklich beschrieben und bestätigt wird, wird niemand sein neues Betriebssystem nach der Anleitung einer Zeitschrift einrichten, sondern zuerst versuchen, mit den Handbüchern des Rechners klar zu kommen.
Die weitaus schwierigsten Texte sind die des Online-Magazins Telepolis. Es findet sich hier eine hochgradig intellektuell explosive Mischung aus Technik, Soziologie, Psychologie und Feuilleton. In diesen Texten finden sich einzelne Technik-Beschreibungen/ Erklärungen mit Metaphern nur selten. Meist geht es um ein Geamtgefüge des menschlichen Verhaltens im Zusammenspiel mit der (Computer-)Technik. Wie findet sich der Mensch im virtuellen Raum zurecht? Wie überhaupt ist der virtuelle Raum zu denken? Zwei Arten der Metaphernverwendung muss man bei dieser Art von Text unterscheiden. Das ist zum einen die Metaphernverwendung auf der herkömmlichen Ebene, z.B. „Lego war schon immer der drittbeste Freund des Hackers. Nach Computer und Telefon.” Hier ist völlig klar: Mit seinen besten Freunden ist man stets und ständig zusammen70 Zumindest im Alter von 6 bis 14 Jahren. Und diese Eigenschaft wird auf die drei unbelebten Dinge übertragen. Oder auch: „... unsere verkrustete Parteiendemorkratie von der Basis her upgedatet wird?” Mit entsprechendem Wissen aus der Computertechnik ist klar, es geht um die Erneuerung der Parteiendemokratie. Eine „Ebene” höher geht es jedoch beispielsweise um die Errichtung neuer Grenzen. Wo jedoch werden diese Grenzen errichtet? Um den Text zu verstehen, müssen wir uns auf das Konstrukt Internet = Raum einlassen. Wir wissen vorerst jedoch nicht, wie dieser Raum beschaffen ist. Gleicht er einer Landfläche mit festem Untergrund und einer (ab-)messbaren Fläche? Oder ist er flüssig, so wie die uns bekannten Weltmeere? Diese Überlegungen treten jedoch erst einmal zurück, da wir nur den Ausschnitt des Bildspenders betrachten. Egal ob fest oder flüssig, unser Raum kann auf irgendeine Art und Weise abgegrenzt werden. Und er unterteilt sich nicht nur in kleinere Teile seiner selbst, sondern er grenzt sich auch von ihn umgebenden anderen und anders beschaffenen Räumen ab. Und hier tritt der Dualismus unserer heutigen Zeit hervor. Die bisher bekannten Räume: Land, Meer, Luft bilden Untermengen des reellen Raums. In ihm gelten die uns bekannten Gesetzmäßigkeiten von Natur und Gesellschaft. Und ihm gegenüber steht der virtuelle Raum. In dem scheinbar nichts von alldem gilt. Es ist der Raum des Möglichen. Seine Gesetzmäßigkeiten müssen noch erforscht oder auch definiert werden. Dem Konstrukt weiter folgend können wir im virtuellen Raum Gebiete eingrenzen, das sind dann die „global villages” oder auch „virtuelle Städte” (cybertown). In der Metapher der Stadt wird mehr manifestiert, als es zunächst den Anschein hat. Eine Stadtmauer haben wir mit der Grenze. Doch wie sieht sie aus und was ist ihre Aufgabe? Soll sie wie früher die Bewohner (wer sind die eigentlich?) vor Fremden und Feinden schützen? Und wenn es diese Feinde gibt, was rauben sie aus der virtuellen Stadt? Wer hat das Recht in der Stadt zu wohnen, wessen Gesetze befolgt er? Wer stellt die Regeln auf und wer setzt sie durch? Die Metapher der Stadt ist viel zu sehr an konventionelle Gegebenheiten gebunden, als das sie uns wirklich weiterhelfen könnte. Was davon bleibt, ist ein diffuses Gebilde, eine virtuelle Stadt, ist eine Ansammlung von Webnutzern und mehr wird aus der Stadt-Metapher auch nicht gezogen, als eine Ansammlung von Individuen. Die am weitesten vertiefte Metapher ist wohl die des Datenmeeres. Das Hindurch- Bewegen durch das Internet, das Surfen baut unmittelbar darauf auf. Auch das Wesen des Internets passt mit einigen Eigenschaften gut zum Bildspender Meer. So ist ein Teil des Meeres erforscht und die Oberfläche ist vermessen. Auch das Internet ist zu einem Teil erforscht und es gibt Karten über den Datenfluss im Internet. Doch beide besitzen auch einen unerforschten Teil, beim Meer ist er geringer (die Tiefsee) beim Internet schein er größer und nicht genau bezeichenbar. Dennoch wird wieder auf der Metapher aufgebaut mit den Begriffen: surfen, navigieren u.v.m.
Die Texte im Magazin Telepolis verwenden also mehrschichtige Metaphern. Und auch hier werden nur Teile benutzt, um einen ganz bestimmten Aspekt zu illustrieren. Würde die Metapher konkret weiter gedacht, so endet sie im Chaos. Trotz der Unvollständigkeit der Konzepte gibt es Ansätze, sie ins reale Leben zu übertragen. Das Beispiel der Raumaufteilung zwischen Israel und Palästina stellt einen solchen dar. Es ist jedoch schwer vorstellbar, das es eine solche Staatsform geben könnte. Als Gesamtfazit läßt sich feststellen: Metaphern eigenen sich zur Erklärung von Computer-Sachverhalten. Ihr Einsatz wird dann problematisch, wenn nicht alle angesprochenen Personen über das Wissen verfügen, die Eigenschaften des Bildspenders zu erkennen, die beim Bildempfänger benötigt wird. Dies ist jedoch nicht computerspezifisch, sondern allgemein zutreffend. Durch die relativ kurze Zeit (ca. 50 Jahre) der Entwicklung der Computer-Fachsprache könnte teilweise dieses Wissen noch stärker fehlen als in anderen Fachbereichen. Mit zunehmender Ausbreitung des Computer-Fachwortschatzes in die allgemeine Sprache, wird dieses